𝗥𝗲𝗵𝗮𝗯𝗶𝗹𝗶𝘁𝗮𝘁𝗶𝗼𝗻 𝗯𝗲𝗶 𝗠𝗘/𝗖𝗙𝗦 𝘂𝗻𝗱 𝗣𝗼𝘀𝘁-𝗖𝗢𝗩𝗜𝗗:

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse verdeutlichen, dass die Rolle der Rehabilitation bei Long COVID, ME/CFS und Post-Vac-Syndromen differenziert betrachtet werden muss. Während Menschen mit ME/CFS und ausgeprägter Post-Exertioneller Malaise (PEM) besondere Anforderungen an die Versorgung stellen, zeigen aktuelle Studien auch positive Ergebnisse spezialisierter Rehabilitationsprogramme für ausgewählte Post-COVID-Betroffene. Entscheidend sind eine sorgfältige Diagnostik und eine individuelle Indikationsstellung.

Neue Evidenz zur Rehabilitation bei ME/CFS und Long COVID Syndromen: Warum eine differenzierte Betrachtung entscheidend ist

 

Die Frage, welche Rolle Rehabilitation bei Menschen mit Long COVID, ME/CFS und Post-Vac-Syndromen spielt, wird derzeit intensiv wissenschaftlich diskutiert. Anlass ist unter anderem ein aktueller Beitrag der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS, der auf mögliche Risiken stationärer Rehabilitationsmaßnahmen für Menschen mit Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) aufmerksam macht.

Die Veröffentlichung verdeutlicht die Bedeutung einer sorgfältigen Diagnostik und einer individuellen Therapieplanung. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Studienlage, dass zwischen ME/CFS, Long COVID und Post-Vac-Syndromen differenziert werden muss und pauschale Aussagen zur Rehabilitation nicht möglich sind.

Differenzierte Diagnostik als Grundlage einer individuellen Versorgung

Ein Teil der Menschen mit Long COVID erfüllt die diagnostischen Kriterien einer ME/CFS. Auch Menschen mit Post-Vac-Syndromen können ein vergleichbares Beschwerdebild entwickeln. Gleichzeitig weisen viele Betroffene andere Symptomkonstellationen auf und haben unterschiedliche therapeutische Bedürfnisse.

Insbesondere bei Menschen mit einer ausgeprägten Post-Exertionellen Malaise (PEM) – dem Leitsymptom der ME/CFS – ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich. Bereits geringe körperliche, kognitive oder emotionale Belastungen können zu einer deutlichen Verschlechterung der Beschwerden führen. Therapeutische Maßnahmen sollten daher individuell geplant und an die Belastbarkeit der Betroffenen angepasst werden.

Unterschiedliche Studien – unterschiedliche Patientengruppen

Die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS verweist auf Studien und Patientenbefragungen, in denen Menschen mit ME/CFS über gesundheitliche Verschlechterungen nach Rehabilitationsmaßnahmen berichten. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer sorgfältigen Indikationsstellung und einer PEM-sensitiven Versorgung.

Demgegenüber berichten aktuelle Daten der PoCoRe-Multicenterstudie über überwiegend positive Erfahrungen von Patientinnen und Patienten mit Post-COVID, die in spezialisierten Rehabilitationskliniken behandelt wurden. In der prospektiven Studie mit 1.028 Rehabilitand:innen berichteten 87,5 % über Verbesserungen in mindestens einem untersuchten Bereich. Mehr als 90 % würden die Rehabilitation weiterempfehlen oder erneut in Anspruch nehmen.

Die Autorinnen und Autoren weisen gleichzeitig ausdrücklich darauf hin, dass schwere ME/CFS-Betroffene nicht Bestandteil der untersuchten Stichprobe waren, da sie im Rahmen der untersuchten Rehabilitationsprogramme nicht als rehafähig eingestuft wurden.

Die unterschiedlichen Ergebnisse lassen sich daher nicht unmittelbar miteinander vergleichen, sondern beziehen sich auf unterschiedliche Patientengruppen und Fragestellungen.

Konsequenzen für die Versorgung

Die aktuelle Evidenz verdeutlicht, dass die Entscheidung für oder gegen eine Rehabilitation stets individuell getroffen werden sollte. Voraussetzung sind eine differenzierte Diagnostik, die Erfassung einer möglichen Post-Exertionellen Malaise sowie die Auswahl eines geeigneten, an die jeweilige Erkrankung angepassten Behandlungskonzeptes.

Spezialisierte Rehabilitationsprogramme können für viele Menschen mit Long COVID einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung von Funktionsfähigkeit und Teilhabe leisten. Gleichzeitig benötigen Menschen mit ME/CFS sowie Betroffene mit Post-Vac-Syndromen, bei denen eine ausgeprägte PEM oder ein vergleichbares Krankheitsbild vorliegt, unter Umständen andere Versorgungsansätze. Eine sorgfältige medizinische Einzelfallentscheidung ist daher von zentraler Bedeutung.

Einordnung durch DiReNa

Als Gesundheitsnetzwerk für Long COVID, ME/CFS und Post-Vac-Syndrome setzt sich DiReNa für eine evidenzbasierte, interdisziplinäre und patientenzentrierte Versorgung ein.

Die aktuelle Diskussion verdeutlicht, wie wichtig es ist, wissenschaftliche Erkenntnisse differenziert einzuordnen und die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen. Entscheidend ist nicht die Frage, ob Rehabilitation grundsätzlich sinnvoll oder ungeeignet ist, sondern für welche Patientengruppe, unter welchen Voraussetzungen und mit welchem Behandlungskonzept sie erfolgt.

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